Was die Hirnforschung über gute Präsentationen verrät

Was die Hirnforschung über gute Präsentationen verrät

Warum unser Gehirn keine PowerPoint-Datei ist – und was das für wirksames Präsentieren bedeutet.

Unser Gehirn liebt Ordnung.

Es sortiert, filtert, vergleicht und sucht nach Mustern. Gleichzeitig ist seine Verarbeitungskapazität begrenzt.

Für Präsentierende bedeutet das eine einfache Konsequenz:

Wer alles sagen will, erreicht am Ende oft weniger.

Die Hirnforschung liefert einige spannende Hinweise darauf, wie wir Informationen so vermitteln können, dass Menschen zuhören, verstehen und sich erinnern.

1. Aufmerksamkeit ist begrenzt

Während einer Präsentation konkurriert deine Botschaft mit vielen anderen Reizen: Smartphone, Gedanken, Geräusche, Müdigkeit – und der Frage, was es wohl zum Mittagessen gibt.

Das Gehirn filtert deshalb ständig.

Relevanz gewinnt.

Beginne also nicht unbedingt mit Hintergrundinformationen, sondern mit dem, was für dein Publikum interessant oder wichtig ist:

Eine Frage. Ein überraschender Fakt. Ein Problem. Eine konkrete Situation.

Erst Aufmerksamkeit. Dann Information.

2. Das Gehirn braucht Struktur

Eine Fülle von Informationen ohne erkennbaren Zusammenhang ist anstrengend zu verarbeiten.
Menschen wollen wissen:

Wo stehen wir? Wo geht es hin? Warum ist das wichtig?

Deshalb hilft eine klare Dramaturgie.

Zum Beispiel:
Ausgangslage → Herausforderung → Lösung → nächster Schritt

Das ist mehr als eine schöne Struktur. Es gibt dem Gehirn einen roten Faden.

Und ein roter Faden macht komplexe Inhalte leichter verständlich.

Wenn komplexe Inhalte zu schnell und ohne ausreichende Struktur präsentiert werden, kann eine Form von kognitiver Überlastung entstehen (Richard E. Mayer, Cognitive Theory of Multimedia Learning; Using Multimedia for E-Learning; Journal of Computer Assisted Learning (2017); Mayer & Pilegard, Principles for Managing Essential Processing in Multimedia Learning).

3. Arbeitsgedächtnis: Weniger ist mehr

Unser Arbeitsgedächtnis kann nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten.

Eine Folie mit 14 Bulletpoints, einem Diagramm, drei Zahlen und einem langen Zitat ist deshalb selten ein Geschenk.

Sie ist eine Denksportaufgabe.

Besser:

Eine klare Aussage.

Eine visuelle Unterstützung.

Ein Gedanke nach dem anderen.

Und wenn etwas nicht unbedingt verstanden werden muss, um die Kernbotschaft zu erfassen:

Weg damit.

Reduktion ist keine Vereinfachung des Themas.

Sie ist eine Verbesserung der Kommunikation.

Die Annahme einer begrenzten Verarbeitungskapazität besagt: Menschen können nicht unbegrenzt viele Informationen gleichzeitig verarbeiten. Das sogenannte Coherence Principle empfiehlt, irrelevantes Material zu reduzieren (Richard E. Mayer, Cognitive Theory of Multimedia Learning; Using Multimedia for E-Learning; Journal of Computer Assisted Learning (2017); Mayer & Pilegard, Principles for Managing Essential Processing in Multimedia Learning).

4. Bilder schaffen Anker

Unser Gehirn verarbeitet visuelle Informationen auf besondere Weise.

Ein gutes Bild, eine Metapher oder eine einfache Visualisierung kann deshalb helfen, einen abstrakten Gedanken greifbar zu machen.

Aber Achtung:

Bild ist nicht gleich Dekoration.

Ein Bild sollte etwas erklären, emotionalisieren oder einen Gedanken verankern.

Wenn es nur hübsch aussieht, kann es meistens auch weg.

Fokus:

Bild ist nicht gleich Dekoration.<br />
Ein Bild sollte etwas erklären, emotionalisieren oder einen Gedanken verankern.<br />

Bild: vereinfachtes Modell

Theorie des multimedialen Lernens: visuelle und verbale Informationen werden über unterschiedliche Verarbeitungssysteme aufgenommen, wobei beide Systeme begrenzte Kapazitäten haben. Lernen entsteht unter anderem dadurch, dass ausgewählte Informationen organisiert und miteinander sowie mit Vorwissen verknüpft werden (Richard E. Mayer, Cognitive Theory of Multimedia Learning; Using Multimedia for E-Learning; Journal of Computer Assisted Learning (2017); Mayer & Pilegard, Principles for Managing Essential Processing in Multimedia Learning).

5. Emotion hilft beim Erinnern

Was uns berührt, überrascht oder persönlich betrifft, bekommt eher unsere Aufmerksamkeit.

Deshalb dürfen Business-Präsentationen durchaus Emotionen enthalten.

Nicht künstlich.

Nicht dramatisch.

Sondern relevant.

Was bedeutet das für Menschen? Was steht auf dem Spiel? Warum lohnt es sich, etwas zu verändern?

Eine Zahl informiert.

Eine Bedeutung bleibt eher hängen.

6. Das Gehirn liebt Aha-Momente

Ein besonders wirksamer Moment in einer Präsentation ist der Moment, in dem etwas zusammenpasst.

„Ach so!“

Eine gute Präsentation liefert deshalb nicht einfach fertige Antworten.

Sie führt Menschen gedanklich dorthin, dass sie Zusammenhänge selbst erkennen können.

Eine Frage kann dabei oft mehr bewirken als eine weitere Folie.

Praktischer Tipp: Der Hirn-Check für deine nächste Präsentation

 

Bevor du deine Präsentation abschickst, prüfe sie einmal nicht aus Sicht des Experten – sondern aus Sicht des Gehirns deines Publikums:

👀 Aufmerksamkeit:
Was ist mein stärkster Einstieg?

🧭 Struktur:
Ist der rote Faden jederzeit erkennbar?

🧹 Reduktion:
Welche Information kann weg?

🖼️ Visualisierung:
Welche Botschaft könnte ein Bild oder eine einfache Grafik besser vermitteln?

❤️ Bedeutung:
Warum sollte mein Publikum das wichtig finden?

💡 Aha:
Wo entsteht der Moment: „Jetzt verstehe ich es“?

Und dann kommt der vielleicht wichtigste Test:

Was soll 24 Stunden später noch im Kopf sein?

Wenn du darauf keine klare Antwort hast, wird es deinem Publikum vermutlich ähnlich gehen.

Gute Präsentationen überfordern das Gehirn nicht.
Sie führen es.

Besser präsentieren heisst deshalb auch: verstehen, wie Menschen Informationen aufnehmen – und daraus eine Präsentation machen, die nicht nur gehört, sondern verstanden und erinnert wird.

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